Montag, 2. April 2018

Mal konkret

Durch immer wiederkehrende Anmerkungen unbedarfter Zeitgenossen angeregt, möchte ich hier nun doch einmal darlegen, warum ich mir leider durch den Kittenverkauf keine goldene Nase verdienen kann. Als Züchterin, der ihre Katzen und auch die Rasse und deren Gesundheit und Wohlbefinden sehr am Herzen liegen, mache ich einiges anders als jemand, der mal eben so einen Wurf mit seiner Katze hat.

Bevor überhaupt an den ersten Wurf gedacht wird, entstehen einige Kosten, die ich nicht hätte, wenn ich die Katze als Kastratin halten würde.


Erwerb einer Zuchtkatze 
800 Euro
PKD-Ultraschall
60 Euro
Allgemeinuntersuchung
25 Euro
Gentests, Blutgruppe, etc.
35 Euro
Ausstellungen bis CH-Titel
250 Euro
gen. Abstammungsnachweis
35 Euro
macht zusammen
1205 Euro

Eine Katze bekommt bei uns im Schnitt rund 10 Kitten in ihrem Leben. Umgerechnet auf diese 10 Kitten wären das Kosten von rund 120 Euro pro Kitten.

Jetzt gibt es natürlich auch Kosten, die durch jeden Wurf einmalig erzeugt werden. Ich habe das hier für einen Wurf aufgeführt, bei dem die Katze von einem Kater eines anderen Züchters gedeckt wird. Den eigenen Kater decken zu lassen, ist nicht kostengünstiger, wenn der Kater in seinem Leben nur wenige Würfe zeugt, wie das bei der Deutsch Langhaarkatze der Fall ist. Und die oben aufgeführten Kosten verursacht natürlich auch ein Zuchtkater. Pro Katze werden zwischen 1 und 6 Jahren 3-4 Herz-Ultraschalls gemacht. Bei im Schnitt 3 Würfen pro Katze kann das zu den einmaligen Wurfkosten gerechnet werden.

Herz-Ultraschall 
150 Euro
FIV-/FeLV-Test
60 Euro
Besuche bei anderen Zuchten
100 Euro
Decktaxe
350 Euro
Übernachtung, Fahrt
150 Euro
macht zusammen
830 Euro


Im Schnitt hatten wir bisher 3,6 Kitten pro Wurf. Für solch einen Durchschnittswurf von rund 4 Kätzchen entstehen also weitere Kosten von 207 Euro pro Kitten.

Dazu kommen nun noch die Kosten, die die Aufzucht und tierärztliche Versorgung der Kitten sowie der Katzenmutter innerhalb von 14-16 Wochen verursachen. Außerdem werden unsere Kätzchen mit Ahnentafel des Vereins, gechippt, geimpft und mit Gesundheitszeugnis des Tierarztes abgegeben.

Mehrbedarf Mutterkatze 
40 Euro
2 x Allgemeinuntersuchung Kitten, Gesundheitszeugnis

100 Euro
2 x RCP-Impfung
280 Euro
2 x Kotuntersuchung, Entwurmung
120 Euro
Transponder (Chip)
140 Euro
Futter, Streu, Spielzeug bis 16 Wochen
480 Euro
Ahnentafeln
56 Euro
Kittenpaket
60 Euro
Anzeigen, HP, Flyer, usw.
60 Euro
Besuche von Interessenten
20 Euro
Überbringung der Kitten (ganz DE)
100 Euro
macht zusammen
1896 Euro

Wenn ein Wurf ohne jegliche Probleme aufwächst, betragen die Kosten, bis das Katzenkind im neuen Zuhause ist, also weitere 474 Euro pro Kitten.

Zusammen sind also im optimalen Fall (Kitten alle gesund groß geworden, kein Kaiserschnitt oder sonstige Probleme bei der Mutterkatze) pro Kitten Kosten in Höhe von 801 Euro entstanden. Rechnet man die Anschaffungskosten der Mutterkatze nicht in die Kittenkosten, sind es immer noch rund 720 Euro "Entstehungskosten" pro Katzenkind.


Nicht enthalten sind anteilig Nebenkosten für Strom, Wasser, Abwasser, Wohnungsabnutzung sowie Rücklagen für den Fall, dass einmal ein Kaiserschnitt nötig ist oder die Katze bzw. die Kitten eine intensivere tierärztliche Betreuung benötigen. Da die Zucht ein Hobby ist, wird natürlich auch keine Arbeitszeit berechnet.
Auch Anschaffungskosten für Kittenkratzbäume, Spielzeug, Wurfkiste, Verbrauchsmaterial für die Geburt etc. wurden weggelassen, ebenso die Mitgliedsbeiträge für Katzenvereine.


Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum man auf die Idee kommt, sich auf so ein Verlustgeschäft einzulassen. Katzenzucht ist letztendlich ein teures Hobby, dem man sich mit Begeisterung und viel Liebe widmet und bei dem man durch glückliche Kittenkäufer und wunderbare Katzen belohnt wird.





Sonntag, 18. März 2018

Zucht ist auch Tierschutz

Schon als Kind habe ich Katzen geliebt und ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der mir ihr Wohlergehen nicht am Herzen lag. Auch heute tut es mir weh, wenn ich Bilder von überfahrenen Katzen sehe und von Kitten in elenden Verhältnissen. Ich kann nicht verstehen, wenn Menschen nicht alles dafür tun, dass ihre Samtpfoten ein langes und gesundes Leben führen können. Für manche ist die Schlussfolgerung, dass sie sich im Tierschutz engagieren, um das Leid von in Not geratenen Tieren zu mindern. Für mich war irgendwann klar, dass ich etwas dazu beitragen möchte, dass Katzenkinder mit den besten Voraussetzungen ins Leben entlassen werden.

Leider bekommt die große Mehrheit der Katzen nicht wirklich gute Voraussetzungen mit auf den Weg. Auch heute noch ist das Risiko, dass sich eine Katze mit tödlichen Infektionskrankheiten ansteckt, äußerst hoch. Rund 4% aller Katzen in Deutschland sind mit Katzenaids (FIV) infiziert, ebenso viele mit dem Felinen Leukämie-Virus (FeLV). Besonders hoch ist das Risiko für nicht kastrierte Freigänger. Es gibt Streunerpopulationen, in denen fast die Hälfte der Katzen damit infiziert ist. Leider werden viele Katzen schon als Kitten von ihrer Mutter angesteckt.

Erstaunlich hoch ist auch das Risiko für Hauskatzen an der erblichen Herzkrankheit HCM zu sterben. Ohne deutliche Vorzeichen sterben sie an plötzlichem Herzversagen oder qualvoll an Embolien der Lunge oder der hinteren Gliedmaßen. Rund 15% aller Hauskatzen, also mehr als bei jeder Katzenrasse, sind davon betroffen und sie werden meist nicht älter als 6-10 Jahre. 




Noch vor 10 Jahren war die Zahl der Perser und Katzen verwandter Rassen mit PKD sehr hoch. Rund ein Drittel bis fast die Hälfte dieser Katzen war davon betroffen. Dank Fortschritten in der Diagnostik und verantwortungsvoller Züchter sind Katzen dieser Rassen inzwischen frei davon.
Weitgehend unbekannt ist der Anteil an Hauskatzen, die von PKD betroffen sind. Viele haben unter ihren Vorfahren Langhaarmischlinge, die aber nie auf PKD untersucht wurden, so dass sie die Krankheit an ihre Nachkommen vererben konnten.




Das sind nur die offensichtlichsten und häufigsten Risiken. Das für mich Schlimme daran ist, dass man für jedes einzelne Kätzchen, das heutzutage auf die Welt kommt, das Risiko dafür, an einer dieser Krankheiten zu sterben, auf fast Null senken könnte, wenn man sich nur darum kümmern würde, dass sich nur Katzen vermehren, die all das nicht an ihre Nachkommen weitergeben. Das ist aber bei den allerwenigsten Hauskatzenwürfen der Fall. Es wird munter drauf los vermehrt, ohne an die Folgen zu denken.




Für mich ist es genauso Tierschutz, dafür zu Sorgen, dass Katzenkinder gesund geboren werden, wie sich um die Folgen von Verantwortungslosigkeit von Katzenbesitzern zu kümmern. Es ist verheerend für die Gesunderhaltung unserer Hauskatzen, wenn sich von ansteckenden oder erblichen Krankheiten betroffene Katzen fortpflanzen, weil sich die Besitzer weder darüber informiert haben, noch über die Erbgesundheit ihrer unkastrierten Lieblinge Bescheid wissen.




Deshalb ist es für mich eine selbstverständliche Aufgabe eines jeden Züchters, sich genau darum zu kümmern. Jedes Kätzchen hat ein Recht darauf, dass seine Menschen ihrer Verantwortung gerecht werden und dafür sorgen, dass sich nur Katzen fortpflanzen, die nachweislich frei von tödlichen Infektionskrankheiten und Erbanlagen sind, die zu Leiden führen oder das Leben einer Katze verkürzen.